So war's  . . .
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D A N K E !

Mein Dank gilt meinem Begleit-Team Eberhard, Christoph, Rolf, Joachim und Rolf (dem Schrauber), allen Kolleginnen und Kollegen, die mich in meinem Vorhaben bestärkt und unterstützt haben, den Vertretern der Polizeiseelsorge und den Vertretern des Innenministeriums Baden-Württemberg.

Ein herzlicher Dank auch an:

Daimler Chrysler Fleet Services Fleet Management

Fa. GONSO Sportmoden

Nachfolgende Kurzberichte zu den einzelnen Etappen sollen die wesentlichen Eindrücke widerspiegeln und einen groben Überblick über die Geschehnisse beim "POLICE MEN 2003" verschaffen. 
1. Etappe Freitag, 23.05.2003, 08.00 Uhr

Es ist schon ein seltsames Gefühl. Fast 2 Jahre Vorbereitung und Planung haben ein Ende. In wenigen Minuten wird es los gehen. Aufgeregt bin ich nicht, eher angespannt. Die selbe Frage wie vor dem Urlaub : "Haben wir nichts Wichtiges vergessen?" Abschiedsworte vom Polizeipräsidenten der Landespolizeidirektion Tübingen, Herrn von Moser und von dem Leiter der Polizeidirektion Balingen, Herrn Sambeth. Segenswünsche von den Polizeiseelsorgern Werner Knubben und Mathis Steinmann. Dann der Start. Begleitet von 8 Kollegen der Polizeidirektion Balingen geht es auf die erste Etappe. Die Strecke ist mir von zahlreichen Trainingsfahrten bestens bekannt. Am Waldhof die erste langgezogene Steigung. Es ist noch kühl und wir fahren uns langsam warm. Das Tempo, von Matthias vorgegeben, stimmt. Die Kollegen nehmen mich aus dem böigen Wind. Es läuft alles bestens. Über Irslingen und Dietingen kommen wir innerhalb der vorgegebenen Zeit in Rottweil an. Der Anfang ist gemacht und der erste Wechsel steht an.

Balingen-Rottweil
Entf.-Kilometer:

27

Ges.-Kilometer:

27

2. Etappe Freitag, 23.05.2003, 09.08 Uhr

2 Kollegen aus Rottweil erwarten uns schon. Kurze Begrüßung und ein Dankeschön an die Balinger Kollegen, die nun nach Balingen zurückfahren werden. Artur wird mir den Weg nach Villingen-Schwenningen weisen. Es ist kühl und ein unangenehmer böiger Gegenwind fordert meine Begleiter. 

Rottweil-Villingen-Schwenningen
Entf.-Kilometer:

25

Ges.-Kilometer:

52

3. Etappe Freitag, 23.05.2003, 10:17 Uhr

Auch in Villingen-Schwenningen stehen die Kollegen schon bereit. Zum zweiten Mal das Zeremoniell des Begrüßens und des Verabschiedens und wir stellen bereits jetzt fest, dass sich dies nicht so zügig bewerkstelligen lässt, wie wir uns das erhofft haben. Lobende und aufmunternde Worte des PD-Leiters, ein paar Fotos, Aushändigung der Trikots, Unterschrift der Teilnehmer auf einem extra dafür vorgesehenen Trikot - all das kostet Zeit. 6 Kollegen um Teamchef Harald werden mich bis Tuttlingen (ein Teil sogar bis Sigmaringen) begleiten. Es ist herrliches Radfahr-Wetter und es geht flott dahin. Ein paar Kilometer fahren wir auf der Strecke des "Rider Man". Erinnerungen werden wach an 180 schwere Kilometer im September des vergangenen Jahres. Aber was sind schon 180 Kilometer im Vergleich zu dem, was ich jetzt vor habe? 

Villingen-Schwenningen - Tuttlingen
Entf.-Kilometer:

32

Ges.-Kilometer:

84

4. Etappe

Freitag, 23.05.2003, 11:41 Uhr

Auf diese Etappe habe ich mich richtig gefreut. Die Strecke durch's Donautal ist mir von vielen Trainingsfahrten bestens bekannt. In der Gruppe und mit gutem Wind ist es heute ein besonderes Erlebnis. 
Karl-Robert und seine Tuttlinger Kollegen, verstärkt durch Kollegen aus Villingen-Schwenningen fahren echt stark. Kurz vor Sigmaringen dann der Schock: Daniel aus Villingen-Schwenningen stürzt beim Durchfahren eines Kreisverkehrs. Begleitfahrzeug und der RTW vom ärztlichen Dienst sind sofort zur Stelle. Im ersten Moment scheint es einigermaßen glimpflich abgelaufen zu sein. Im Nachhinein wird dann doch noch ein Armbruch diagnostiziert. Der Helm hat mit Sicherheit schlimmere Unfallfolgen verhindert. Ich wünsche Daniel auf diesem Weg eine baldige und vollkommene Genesung! 

Tuttlingen - Sigmaringen
Entf.-Kilometer:

50

Ges.-Kilometer:

134

5. Etappe Freitag, 23.05.2003, 13:14 Uhr

Ab Sigmaringen begleiten mich 2 Kollegen. Uli ein Triathlet, der sich auf die deutschen Polizeimeisterschaften vorbereitet macht die Pace und wir fahren einen ordentlichen "Streifen". Egon findet dabei immer noch die Zeit mir die landschaftlichen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten zu erklären. Echt super! Ich habe das Gefühl, dass ich noch ewig so weiterfahren könnte. Bis zur Ankunft in Biberach haben wir erstmals wieder Zeit gut gemacht.

Sigmaringen - Biberach
Entf.-Kilometer:

55

Ges.-Kilometer:

189

6. Etappe Freitag, 23.05.2003, 14:56 Uhr

In Biberach werden wir bereits erwartet. Ich freue mich viele bekannte Gesichter zu sehen. Der PD-Leiter höchst persönlich verstärkt das Team seiner Polizeidirektion. Das Wetter ist optimal und Reinhold signalisiert, dass der Weg nach Ravensburg keine Probleme bereiten wird. Eigentlich hatte ich mir den Weg durch Oberschwaben etwas beschwerlicher vorgestellt. Eine ausgezeichnete Streckenplanung, ein starkes Team und herrliches Wetter lassen mich vergessen, dass ich die 200-Kilometer-Marke bereits überschritten habe. Bis Ravensburg gelingt es uns weiter Zeit gut zu machen.

Biberach - Ravensburg
Entf.-Kilometer:

50

Ges.-Kilometer:

239

7. Etappe Freitag, 23.05.2003, 16:37 Uhr

Auch in Ravensburg werden wir mit "großem Bahnhof" empfangen. Der PD-Leiter übergibt einen Scheck, der uns jubeln lässt! Besonders beeindrucken für mich ist die Begegnung mit Roland. Ein Dienstunfall hat dazu geführt, dass er seinen rechten Arm nicht mehr gebrauchen kann. Trotzdem ist er mit Feuereifer und mit großem Kampfgeist mit von der Partie. Tief beeindruckt von dieser Willensleistung erreichen wir Friedrichshafen. 

Ravensburg - Friedrichshafen
Entf.-Kilometer:

24

Ges.-Kilometer:

263

8. Etappe Freitag, 23.05.2003, 17:37 Uhr

Der Bodensee ist erreicht. Auch hier treffe ich auf einige bekannte Gesichter. Es ist Wochenende und der Straßenverkehr um diese Zeit entsprechend lebhaft. Zum ersten Mal ist eine Kollegin mit von der Partie. Bis zur Fähre nach Meersburg ist es zwar nicht besonders weit, der Verkehr und ständige Tempowechsel erfordern von allen höchste Aufmerksamkeit. Für Gespräche ist nicht viel Zeit. An der Fähre geht alles reibungslos. Für das Team gibt es Pizza und für mich Spaghetti. Ein paar Kollegen und die Kollegin aus Friedrichshafen werden uns noch bis zur Schweizer Grenze weiter begleiten. Die Pause während der Überfahrt tut mir gut. 

Friedrichshafen - Konstanz
Entf.-Kilometer:

19

Ges.-Kilometer:

282

9. Etappe Freitag, 23.05.2003, 18:35 Uhr

Bis jetzt habe ich die Strecke wenigstens teilweise gekannt. Die vor mir liegende Strecke ist mir dagegen völlig unbekannt. Durch Vermittlung der Konstanzer Kollegen haben wir eine Genehmigung zum Befahren des Schweizer Hoheitsgebiets erhalten. Das spart uns einige Kilometer. Bis zum Grenzübergang werde ich von den "Häflern" begleitet. Am Grenzübergang treffen wir dann auf "Buddy" aus Singen der uns bis Waldshut begleiten wird. Eine kleine Verzögerung ergibt sich, da wir noch auf Rolf unseren "Schrauber" warten müssen. Er hat sich dankenswerter Weise kurzfristig bereit erklärt unser Begleit-Team zu verstärken. Mit "Buddy" als Schrittmacher geht es Richtung Schaffhausen. Wir auf dem Radweg, das Begleitfahrzeug auf der Kraftfahrstraße. In Schaffhausen wird es dann spannend. Wo ist das Begleitfahrzeug? "Buddy" kennt sich bestens aus und so kommen wir zügig durch Schaffhausen. Es wird dunkel und wir haben noch keine Beleuchtung montiert. Vom Begleitfahrzeug keine Spur. Eine für den Notfall vorgesehene Verständigung per Handy scheiterte, da mein Handy, sinnigerweise, im Begleitfahrzeug lag. Zwischenzeitlich war es so dunkel, dass ein Weiterfahren unverantwortlich gewesen wäre. Stop an einer Gaststätte. "Buddy" versucht telefonisch Verbindung zum Begleitfahrzeug zu bekommen. Noch während er telefoniert, hat uns das Begleit-Team gefunden. Gott sei Dank! Die Beleuchtung wird montiert und dann geht es zügig weiter. Ein gehöriger Schreck fährt uns in die Glieder als ein Prachtexemplar von einem eidgenössischen Fuchs Zentimeter vor "Buddy" die Straße quert. Gott sei dank ist nichts passiert!  Ab Tiengen lotst uns ein Streifenwagen. Wegen eines Brandes muss er abrücken und wir werden von einem Zivilfahrzeug  zur PD gelotst. Der Zeitverlust lässt sich allerdings nicht mehr aufholen und wir kommen mit deutlicher Verspätung in Waldshut an.

Konstanz - Waldshut-Tiengen
Entf.-Kilometer:

95

Ges.-Kilometer:

377

10. Etappe Freitag, 23.05.2003, 22:36 Uhr

Dank an "Buddy". Ohne seine Ortskenntnisse wäre ich in Schaffhausen ganz schön aufgeschmissen gewesen! 2 Kollegen aus Waldshut werden mich jetzt bis Lörrach begleiten. Es läuft ganz gut und wir können 11 Minuten Zeit gut machen. Das Team überlegt, wie wir die restliche  Zeit (immer noch eine knappe Stunde!) am besten aufholen können. Kurz vor Lörrach liegt ein totes Wildschwein am Straßenrand. Kollegen sichern die Stelle ab. Das Begleit-Team  entdeckt im Straßengraben eine Person, die es offensichtlich vorzieht sich vor den Kollegen zu verstecken. Er wird sich sicherlich gefragt haben, wieso in dieser Nacht so viel Polizei unterwegs ist. Pech gehabt - Schicksal!? Bis jetzt ist die Fahrt bei Nacht alles andere als langweilig. In Lörrach ist die Entscheidung des Begleit-Teams gefallen: Ich werde die Strecke nach Freiburg zu einer 30-minütigen Schlafpause nutzen und dadurch Zeit gut machen. 

Waldshut-Tiengen - Lörrach
Entf.-Kilometer:

52

Ges.-Kilometer:

429

11. Etappe Samstag, 24.05.2003, 00:35 Uhr

Es mag an der "un-christlichen" Zeit liegen, dass sich von Lörrach niemand für meine Begleitung gefunden hat. Probleme ergeben sich deswegen keine. Wir entscheiden uns, dass ich nur einen Teil der Etappe fahre und eine ca. 30-minütige Schlafpause einlege. Ich schlafe auch sofort tief und fest.

Lörrach - Freiburg
Entf.-Kilometer:

60

Ges.-Kilometer:

489

12. Etappe Samstag, 24.05.2003, 02:10 Uhr

Ich bin überrascht, wie schnell ich wieder in Tritt komme. Es ist noch allerhand los in Freiburg. Wir sind beileibe nicht die einzigen Radler, die um diese Uhrzeit die Straßen von Freiburg unsicher machen. Das ändert sich allerdings schnell, als wir die Stadtgrenze von Freiburg hinter uns lassen und dann auch fast schon in Emmendingen sind. 

Freiburg - Emmendingen
Entf.-Kilometer:

16

Ges.-Kilometer:

505

13. Etappe Samstag, 24.05.2003, 02:45 Uhr

Herzlicher Empfang in Emmendingen. Es war mir schon klar dass Emmendingen, immerhin lange Zeit der Landkreis von Jan Ulrich, "radsport-verrückt" ist. Das erste was mir auffällt. Ein Hightech-Zeitfahr-Renner und ein Mann im BDR-Einteiler. Ich bin doch etwas irritiert. Wimpel und Verbandsabzeichen werden überreicht. Einen nette Geste - herzlichen Dank. Doch das war noch nicht alles: "Otto", der Mann im Einteiler überreicht mir eine Autogrammkarte: "Viel Erfolg beim Rekord-Versuch wünscht Erik Zabel." Wenn das keinen Rückenwind gibt! Ich werde in den kommenden Stunden oft an Otto, das Autogramm und an Erik Zabel denken. Es ist traumhaft wenig Verkehr auf der gut ausgebauten B 3 und wir kommen richtig flott voran. Es lässt sich nicht vermeiden, dass sich meine Gedanken immer wieder an der nächsten Etappe - dem Dach der Tour - aufhängen. 

Emmendingen - Offenburg
Entf.-Kilometer:

55

Ges.-Kilometer:

560

14. Etappe Samstag, 24.05.2003, 04:36 Uhr

Diese Etappe hat mir von Anfang an Respekt eingeflößt. Ich habe mir deshalb die "Oppenauer-Steige" im Training schon mal "angeschaut". Gleich nach dem Start in Offenburg habe ich gemerkt, dass ich mit Klaus einen idealen Begleiter habe. Zügig aber nicht zu schnell geht es zunächst durch die Weinberge Richtung Oppenau. Als es in Bad Peterstal dann zunehmend steil wird haben wir einen guten Rhythmus gefunden und meistern die bis zu 12% Steigung ganz anständig! Im Gegensatz zur Trainingsfahrt herrscht so gut wie kein Autoverkehr. Ganz wichtig für mich in dieser Phase, dass die Kräfte richtig eingeteilt werden. Immerhin hat der zweite Tag erst gerade recht angefangen. Den Zeitverlust von 45 Minuten nehme ich in Kauf und hoffe, dass wir auf der folgenden Etappe gleich wieder einiges gut machen können.

Offenburg - Freudenstadt
Entf.-Kilometer:

55

Ges.-Kilometer:

615

15. Etappe Samstag, 24.05.2003, 07:35 Uhr

In Freudenstadt warten bereits die Kollegen aus Baden-Baden. Klaus hat sich entschlossen uns bis Baden-Baden zu begleiten. Aus der Erfahrungen der Vergangenheit weiß ich, dass nun die Zeit kommt, wo ich mental etwas anfällig bin. Ich versuche mich auf  die Fahrt durch das Murgtal zu freuen. Meine Gedanken schweifen zu Matthias Schempp, der heute seinen "Schwobaland-Extrem" durchführen wird. Ich versuche mir vorzustellen wie die Teilnehmer dieses Radmarathons in einigen Stunden durch das Murgtal brettern werden und freue mich, dass wir so einen großen Vorsprung haben. Doch irgendwie läuft es bei mir nicht so rund, wie ich mir das gewünscht habe. Ich bin nun seit 24 Stunden unterwegs und weiß, dass ich bei Weitem noch nicht die Hälfte geschafft habe. Gut dass es in dieser Phase keine gemeinen Anstiege gibt. Mein Gefühl, dass es nicht so läuft, wie es laufen könnte bestätigt sich beim Blick auf die Marschtabelle. Hatte ich in Freudenstadt noch gehofft im Murgtal viel Zeit gut machen zu können, so haben wir hier erneut etwas Zeit verloren.

Freudenstadt - Baden-Baden
Entf.-Kilometer:

50

Ges.-Kilometer:

665

16. Etappe Samstag, 24.05.2003, 09:40 Uhr

Auch in Baden-Baden erwartet uns ein überaus herzlicher Empfang und wir kommen nicht so schnell weiter, wie wir uns das gewünscht hätten. Natürlich freuen wir uns auch über die Anteilnahme und wollen auf keinen Fall unhöflich erscheinen. Ich freue mich auf auf hoffentlich viele schnelle, flache Kilometer. Kaum sind wir in Baden-Baden los gefahren ist auch schon Rastatt erreicht. Mein Dank gilt den Kollegen aus Baden-Baden, die mich gut durch mein "Murx-Tal" gebracht haben.

Baden-Baden - Rastatt
Entf.-Kilometer:

13

Ges.-Kilometer:

677

17. Etappe Samstag, 24.05.2003, 10:12 Uhr

Die Rastatter Kollegen kamen als starkes Team für mich genau zur rechten Zeit. Gerade mal 52 Minuten benötigten wir für die 31 Kilometer (Schnitt 36 km/h). Nach 700 Kilometern und 26 Stunden Fahrt merke ich, dass doch noch einiges geht! Ich fühle mich wieder richtig gut. Nach solch einem Erlebnis fällt einem der Abschied natürlich etwas schwer, doch ich bin guter Dinge, dass es ähnlich gut weitergehen wird. Die Arbeit meiner Begleit-Teams funktioniert aus meiner Sicht reibungslos. Fahrerwechsel/ Schlafpausen werden von mir nicht wahr genommen. Die Versorgung mit Essen & Trinken sowie das Wechseln von Kleidung macht zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Probleme. Hinzu kommt eine 1a-Betreuung in mentaler Hinsicht. 

Rastatt - Karlsruhe
Entf.-Kilometer:

31

Ges.-Kilometer:

708

18. Etappe Samstag, 24.05.2003, 11:04 Uhr

In KA-Ettlingen, werden wir auf dem Marktplatz vom Oberbürgermeister und einem großen Presseaufgebot erwartet. Es hat fast schon etwas von einer Zielankunft und es fällt nicht leicht sich aus dieser tollen Atmosphäre zu verabschieden. Die Karlsruher Kollegen machen genau dort weiter, wo die Rastatter Kollegen aufgehört haben. Es dauert nicht lange und wir haben wieder einen tollen Rhythmus gefunden. Es ist unverkennbar, dass aktive Radrennfahrer die Gruppe anführen. Ich habe das Gefühl, dass ich zu dieser Karlsruher Gruppe gehöre und eben erst mit ihnen gestartet bin. Es motiviert mich unheimlich und ich muss mich etwas bremsen. Die flotte Fahr schlägt sich auch in der Marschtabelle nieder. Wir haben, trotz der Pausen beim Wechsel, erstmals wieder Zeit gut gemacht. 

Karlsruhe - Mannheim
Entf.-Kilometer:

62

Ges.-Kilometer:

770

Übergabe in MA-Brühl

19. Etappe Samstag, 24.05.2003, 13:30Uhr

Es war mir schon klar, dass es dermaßen flott nicht wird weitergehen können. In Leimen werden wir während eines Ampel-Halts von einem Passanten angesprochen. Er hat im Südwest-Fernsehen den Bericht gesehen, spricht uns seine Anerkennung aus und wünscht uns für die weitere Fahr alles Gute. Das sind die Momente, die mich aufbauen. Ich merke, dass die Aktion etwas bewirkt und dass sich die Mühe lohnt. In Gedanken noch bei dieser Begegnung, merke ich erst gar nicht, dass es zunehmend steiler wird. Auf meine Frage, ob das noch lange so weitergeht werde ich von den Kollegen fast liebevoll darauf aufmerksam gemacht, dass wir dabei sind den Königstuhl zu erklimmen! Hatte ich die Berge nach dem Kniebis fast schon abgehakt, so werde ich hier eines Besseren belehrt. Und ich muss schon zugeben, dass dieser Streckenabschnitt  landschaftlich einer der Schönsten war. Ich höre, dass einer der Kollegen mit "Puls 190" vom Rad gestiegen ist und stelle bei dieser Gelegenheit fest, dass ich vom Gefühl her (ich habe auf den Pulsmesser bewusst verzichtet) sicherlich im "grünen" Bereich bin. Beruhigt fahre ich meinen Tritt weiter. Auch hier bestätigt es sich wieder: Wo es hoch geht, geht es auch wieder runter. In diesem Fall recht rasant bis nach Heidelberg. Erneut können wir etwas Zeit gut machen.

Mannheim - Heidelberg
Entf.-Kilometer:

34

Ges.-Kilometer:

804

20. Etappe Samstag, 24.05.2003, 15:00 Uhr

Der Wetterbericht hatte recht: Sonnenschein mit Temperaturen bis 30° C. Eigentlich liebe ich die Hitze. So trinke ich wenigstens ausreichend. Bei kühler Witterung vernachlässige ich gerne das Trinken. Betrachtet man meine Arme, dann könnte man meinen ich radle für die Feuerwehr. Trotz Sonnencreme zeichnet sich ein Sonnenbrand vom Feinsten ab. Der begleitende Polizeiarzt "verordnet" eine Brandsalbe - und ich habe keine Probleme mehr! Auf dem Neckar findet an diesem Wochenende ein Fest statt. Schade, dass keine Zeit zum Zuschauen bleibt. Leute und Autos ohne Ende. Wir schlängeln und durch so gut es geht und haben dabei das Problem, dass uns die  Begleitfahrzeuge nicht so recht folgen können. Dann endlich freie Fahrt neckaraufwärts Richtung Mosbach. Die Kollegen beruhigen mich: Erhebungen von der Qualität des Königstuhls sind keine zu erwarten. So steht einer zügigen Fahrt nichts im Wege und wir können bis zum Wechsel weiter Zeit gut machen. 

Heidelberg - Mosbach
Entf.-Kilometer:

56

Ges.-Kilometer:

860

21. Etappe Samstag, 24.05.2003, 17:00 Uhr

Die Hitze hinterlässt ihre Spuren. Die Füße brennen und sehnen sich nach einem kalten Bad. Am Himmel über Heilbronn zeigen sich  Gewitterwolken. Wir sind ganz ordentlich in der Zeit. Ich weiß, dass hinter Heilbronn "Niemandsland" auf mich wartet. Ich habe nur eine grobe Vorstellung von den annähernd 100 Kilometer bis Tauberbischofsheim und bin respektvoll gespannt, was auf mich zukommen wird. Die Mosbacher Kollegen bringen mich gut nach Heilbronn. Auch dort treffe ich überraschend auf Lehrgangskollegen.  Ein weiterer positiver Aspekt - der Gang zu Toilette. Meine Verdauung funktioniert auch nach 33 Stunden im Sattel einwandfrei. Jeder Ausdauersportler wird nachvollziehen können, wie wichtig diese Feststellung für mich ist.    

Mosbach - Heilbronn
Entf.-Kilometer:

33

Ges.-Kilometer:

893

22. Etappe Samstag, 24.05.2003, 18:40 Uhr

Bei der Abfahrt in Heilbronn fallen erste Tropfen. Die geschickte Routenplanung sorgt dafür, dass wir dem Regen davon fahren. Wir fahren, immer noch begleitet von den Mosbacher Kollegen, wieder zurück Richtung Mosbach um dann Richtung "Nordkap-TBB" abzubiegen. Ich hatte mir diese Etappe wesentlich schwieriger vorgestellt. Dass wir gut voran kommen liegt an der ausgezeichneten Führungsarbeit der Heilbronner Kollegen. Wenn mir nach Reden zumute ist finde ich stets gute Gesprächspartner. Wenn ich mit mir selber beschäftigt bin, lässt man mich in Ruhe. Perfekt! So nähern wir uns langsam aber sicher der 1.000 Kilometer Marke. 

Heilbronn - Tauberbischofsheim
Entf.-Kilometer:

96

Ges.-Kilometer:

989

23. Etappe Samstag, 24.05.2003, 22:30 Uhr

Wir bewegen uns in der Weite des nordwürttembergischen Raums. Welch ein Gegensatz zu den kurzen Etappen die wir schon hinter uns haben. Ich bin gespannt, wie ich die zweite Nacht überstehe. Im Moment geht es mir noch gut. Mit Tauberbischofsheim habe ich einen weiteren "mental kritischen" Punkt erreicht. Es ist der nördlichste Punkt der Tour - und auf der Landkarte betrachtet der "höchste". Wir fahren ja auch "hoch gen Norden". Von Tauberbischofsheim geht es also wieder "runter in den Süden". Diese Gedankenspiele, so banal sie scheinen mögen, beeinflussen die Psyche doch ganz erheblich. Irgendwann kommt aus dem Begleitfahrzeug die Nachricht: "Wir haben die 1.000 Kilometer-Marke überschritten. Sekt gibt es keinen, dafür aber eine süße Kleinigkeit. Ich finde es etwas schade, dass ich diese mir weitgehend unbekannte Gegend "nur" bei Nacht erleben kann. Ich glaube, ich bin in dieser Phase etwas einsilbig. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass eine Nachtfahrt in der Gruppe allerhöchste Aufmerksamkeit verlangt. Ein besonderer Dank an dieser Stelle an alle Kollegen die mich sicher durch die beiden Nächte begleitet  haben. Wir hatten keinerlei kritische Situationen zu meistern!

Tauberbischofsheim - Künzelsau
Entf.-Kilometer:

50

Ges.-Kilometer:

1.039

24. Etappe Sonntag, 25.03.2003, 00:35 Uhr

Ich muss fest stellen, dass in der Nacht alle Katzen grau sind. In der Erinnerung tauchen nur wenige Szenen auf, die besonderen Erinnerungscharakter haben. Die Gesichter der Kollegen, die Farben der Bekleidung, die Räder mit ihren technischen Details, alles Dinge, denen bei Tageslicht Aufmerksamkeit geschenkt wird und die sich oft in der Erinnerung verankern, sind bei Nacht nahezu weg. Weg sind aber auch Dinge die einen unnötig ablenken, verunsichern und vielleicht manchmal auch ärgern. Ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren und das Zusammenspiel mit den Kollegen funktioniert bestens. 

Künzelsau - Schwäbisch Hall
Entf.-Kilometer:

30

Ges.-Kilometer:

1.069

25. Etappe Sonntag, 25.03.2003, 01:45 Uhr

Auf dieser Etappe werde ich von zwei Kollegen des Autobahnpolizeireviers Ilshofen begleitet. Armin und Rainer haben sich mit der Routenplanung besonders viel Mühe gemacht. Streckenmäßig ist es das absolute Kontrastprogramm zur Autobahn. Schmale Nebenstraßen mit teilweise schlechtem Belag, dazu ein ständiges Auf und Ab  (Schwäbisch Hall – Steinbach - Hessental -  Sulzdorf –Oberfischach – Mittelfischach – Geifertshofen – Bühlerzell – Pommertsweiler – Abtsgmünd – Dewangen – Aalen). Irgendwann habe ich total die Orientierung verloren. Ich habe keine Ahnung mehr, wo wir uns befinden und muss den Kollegen absolut vertrauen. Steile Anstiege, kurze, rasante Abfahrten. Insgesamt äußerst anspruchsvoll und das bei Nacht. Ich werde müde und habe Wahrnehmungsprobleme. Ich sage meinen Begleitern und dem Begleit-Team Bescheid, dass ich eine Pause brauche. Als ich im Auto Platz genommen habe höre ich noch wie einer meiner Begleiter meint, dass er jetzt eine Zigarette brauche, dann falle ich auch schon in einen Tiefschlaf. Ca. 10 Minuten später wache ich von alleine wieder auf und fühle mich wieder fit. Ohne Probleme fahren wir durch bis Aalen.  

Ich habe diese Etappe als äußerst anspruchsvoll in Erinnerung. Gott sei Dank hatte ich tolle Begleiter, die mir geholfen haben Schwächephasen zu überwinden.

Schwäbisch Hall - Aalen
Entf.-Kilometer:

55

Ges.-Kilometer:

1.124

26. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 04:20 Uhr

Der Leiter der Kripo, ein "alter" Bekannter aus seiner Zeit in Balingen begrüßt uns. Ich merke schon bei der Ankunft, dass die Aalener Kollegen am frühen Sonntagmorgen richtig heiß und bester Stimmung sind. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Die Aalener haben den "Bär von der Ostalb" mit im Team. Der ehem. Weltklasse-Ringer Thomas Zander  (www.thomas-zander.de) lässt es sich nicht nehmen sich radsportlich zu solidarisieren. Kraftvoll zieht der "Ostalb-Express" los. Mit Krad-Begleitung geht es Richtung Heidenheim. Ich muss wieder einmal feststellen: Mit diesen Jungs hätte ich gerne noch ein paar Kilometer mehr zurück gelegt. Der Schwung und die Begeisterung dieser Truppe übertragen sich auf mich. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich schon Hunderte von Kilometern unterwegs bin. Viel mehr fühle ich mich als Teil des "Ostalb-Express" und es ist ein tolles Gefühl.

Aalen - Heidenheim
Entf.-Kilometer:

25

Ges.-Kilometer:

1.149

27. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 05:12 Uhr

Wir sind in Zeitverzug! Mein Begleit-Team macht sich intensiv Gedanken, wie dieser wettgemacht werden kann. Christoph der Stratege rechnet alle Möglichkeiten durch und kommt zu dem Schluss: Ich werde um 06:00 Uhr ins Begleitfahrzeug verfrachtet und nach Reutlingen gefahren. Dies bringt den Vorteil, dass ich ca.1 1/2 Stunden schlafen kann und dass wir in Reutlingen genau zur vorgesehenen Zeit starten können. Der Nachteil: Die Kollegen von Ulm werden ohne mich nach Reutlingen fahren. Ich bin darüber nicht sonderlich glücklich, weiß aber, dass ich mich auf das Team und seine Entscheidungen absolut verlassen kann. Es wird sich herausstellen, dass diese Entscheidung eine taktische Meisterleistung war! Mit sehr engagierten Kollegen aus Heidenheim geht es Richtung Ulm. Es bläst ein äußerst unangenehmer kühler Wind und wir haben zeitweise ganz schön mit ihm zu kämpfen. Ich schaue immer wieder auf die Uhr und freue mich auf die Schlafpause. In Nersingen ist es dann soweit. Ich steige vom Rad, verabschiede mich von den Heidenheimer Kollegen, lege mich ins Begleitfahrzeug und schlafe sofort ein.

Heidenheim - Ulm
Entf.-Kilometer:

40

Ges.-Kilometer:

1.189

28. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 

Schade, dass ich über diese Etappe nichts berichten kann. Es war eine Vernunftentscheidung und mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle den Ulmer Kollegen, die diese Entscheidung voll mitgetragen haben und mit ihrer Fahrt von Ulm nach Reutlingen dafür gesorgt haben, dass das Band der Solidarität zwischen den einzelnen Polizeidirektionen nicht gerissen ist! Es hat mich auch gefreut als ich erfahren habe, dass die Kollegen aus Ulm und Reutlingen gemeinsam noch eine Runde gedreht und das Radeln noch gemütlich haben ausklingen lassen 

Ulm - Reutlingen
Entf.-Kilometer:

84

Ges.-Kilometer:

1.273

29. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 7:33 Uhr

Im absoluten Tiefschlaf von Ulm nach Reutlingen. Eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass in Reutlingen noch Zeit bleibt für eine ordentliche Morgentoilette: Duschen, Zähneputzen, Kaffee, frische Brötchen ...... Es bleibt beim Wunsch. Die Kollegen stehen bereits parat und ich erledige nur das Nötigste: Katzenwäsche, neue Hose, neues Trikot und nebenher ein paar Happen essen. Mein Kopf ist klar, erstaunlich klar. Der Schlaf hat unheimlich gut getan und ich bin überhaupt nicht verkatert. Auch hier springt der Funke der Begeisterung von den Reutlinger Kollegen auf mich über. Dazu kommt, dass ich jetzt in meiner engeren privaten und dienstlichen Heimat bin. Die Strecke ist mir bestens bekannt und so geht es zügig los. Mit Roland treffe ich einen "alten" Bekannten aus meiner Streifendienstzeit in Pfullingen. Marathonerfahren führt er uns souverän nach Tübingen

Reutlingen - Tübingen
Entf.-Kilometer:

21

Ges.-Kilometer:

1.294

30. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 8:20 Uhr

Tübingen, viele Jahre meine dienstliche Heimat, ist erreicht. Der Himmel zeigt sich bedeckt. Die Temperatur, im Vergleich zu Gestern eher kühl. Optimale Bedingungen um das gesteckte Ziel zu erreichen. Mein PD-Leiter hat es sich nicht nehmen lassen und ist zu früher Morgenstunde mit dem Fahrrad von Rottenburg nach Tübingen gefahren um "nach dem Rechten zu sehen". Er darf zuversichtlich sein, dass er uns am Nachmittag wohlbehalten in Stuttgart wiedersieht. Auch sonst viele bekannte und auch erstaunte Gesichter. Frank übernimmt das Kommando und wir fahren Richtung Böblingen. Es herrscht wenig Verkehr und im langgezogenen Anstieg zur Kälberstelle werden wir schnell warm. Jörg aus Stuttgart, ebenfalls Extrem-Radsportler und seit Reutlingen mit dabei, bringt seine Erfahrung mit ein und leistet wertvolle Schrittmacherdienste. 

Tübingen - Böblingen
Entf.-Kilometer:

27

Ges.-Kilometer:

1.321

31. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 9:37 Uhr

Beim Wechsel vor den Toren der Bereitschaftspolizei in Böblingen holt uns die Tragik des Alltags ein. Eine Kollegin, kurz vor Ostern auf dem Weg vom Dienst nach Hause mit dem Motorrad schwer verunglückt, ist am Donnerstag verstorben. Wir werden die Unfallstelle passieren und kommen dem Wunsch der Böblinger Kollegen gerne nach, dort eine Gedenkminute einzulegen. Es ist für alle ein äußerst bewegender Moment. Keinem ist groß nach Reden zu Mute. Die Spannung löst sich erst als wir in Calw auf dem Marktplatz empfangen werden. 

Böblingen - Calw
Entf.-Kilometer:

24

Ges.-Kilometer:

1.345

32. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 10:47 Uhr

Mein erster Blick fällt auf  Urlaubs-Bekannte, die extra gekommen sind um mich zu begrüßen. Mein zweiter Blick fällt auf ein Großaufgebot von Kollegen und Vertretern aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens. Man gibt sich viel Mühe mir die Einzelnen vor zu stellen - ich registriere es nur am Rande. Das Wetter scheint sich zu verschlechtern und ich möchte gerne weiterfahren. Ein paar Bilder, das muss einfach sein. Dann geht es wieder los. Die Strecke durch das herrliche Nagoldtal bis Pforzheim stellt uns, was das Streckenprofil anbelangt, vor keinerlei Probleme. Allerdings beginnt es nach kurzer Zeit wolkenbruchartig zu regnen. Ich mache Bekanntschaft mit dem Baubürgermeister der Stadt Calw, Herrn Riemer. Als Präsident des württembergischen Radsportverbandes lässt er es sich nicht nehmen uns mit seiner Partnerin auf dem Tandem bis nach Pforzheim zu begleiten. Noch während der Fahrt kündigt er mir gegenüber an, dass er die offizielle Freigabe des Nagoldtal-Radweges dazu nützen werde unsere Spendenaktion zu unterstützen. Der Regen ist nahezu vergessen. Ich freue mich riesig über diesen Zuspruch. Klatschnass kommen wir in Pforzheim an. Der Wechsel findet im Bereich einer Art Zweirad-Messe statt. Aufgrund des schlechten Wetters ist der Publikumszuspruch noch etwas mager. Für mich gilt es nur mir  möglichst schnell trockene Kleidung anzuziehen. Im Unterbewusstsein registriere ich einen Sprecher, der über Mikrofon unsere Aktion vorstellt. Ein Reporter stellt mir ein paar Fragen. Eine gute Seele schiebt mir ein Stück Flammkuchen zwischen die Lippen ...mmmhhhh!

Calw - Pforzheim
Entf.-Kilometer:

28

Ges.-Kilometer:

1.373

33. Etappe Sonntag, 25.05.2003,  12:10 Uhr

Kurz nach dem Start in Pforzheim bessert sich das Wetter. Der Regen hört auf. Ich stelle fest, dass ich etwas nervös werde. Beim Blick auf die Hinweisschilder stelle ich fest: Stuttgart ist in Reichweite. Doch wir fahren nicht auf dem direkten Weg dorthin und ich hoffe, dass nichts mehr passiert. Ich wünsche mir, ich wäre schon in Göppingen. Aber alles Wünschen nützt nichts - es gilt nun zunächst mit Hilfe der Pforzheimer Kollegen nach Ludwigsburg zu kommen. Ich versuche mich damit zu trösten, dass die restlichen Etappen alle kürzer sein werden. Gespräche mit meinen Begleitern lenken mich ab und so kommen wir nach Ludwigsburg. Man hat mir im Vorfeld gesagt, dass in Ludwigsburg eine Unmenge von Ampeln  zu passieren seien und dass es schwer sein dürfte  ein Tempo vorzulegen das den Genuss der "grünen Welle" garantiert. Nachts wäre das vielleicht noch möglich gewesen. Am Sonntag Nachmittag zu einer Zeit als in Ludwigsburg Volksfest angesagt war und Unmengen von Besuchern zu Fuß und mit Fahrzeugen aller Art die Stadt überfluteten war es der Wahnsinn!

Im Klartext: Ca. 16-mal abbremsen, absteigen, warten, aufsteigen, anfahren u.s.w. Es kostet mich jedes Mal große Überwindung das Tempo der Kollegen mitzugehen. Dazu der Verkehr. Ich überlege mir, ob es nicht besser wäre umzudrehen und am Stadtrand auf die Waiblinger Kollegen zu warten. Aber irgendwie geht es immer weiter und dann höre ich auch schon eine Stimme: "So wir sind da!"

 

Pforzheim - Ludwigsburg
Entf.-Kilometer:

45

Ges.-Kilometer:

1.418

34. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 14:04 Uhr

Die Kollegen aus Waiblingen warten schon. Ich nütze die Pause um zur Toilette zu gehen und stelle fest, dass die Verdauung immer noch einwandfrei funktioniert. So kann ich bereits jetzt feststellen, dass wir in Bezug auf die Verpflegung keine großen Fehler gemacht haben. Ich überlege, ob es nicht besser wäre die Strecke bis zum Stadtrand mit dem Fahrzeug zurück zu legen. Ich habe einen echten Horror vor den unzähligen Ampeln. Als ich meinen Vorschlag den Waiblinger Kollegen unterbreite reagieren sie mit Kopfschütteln. "Das ist doch kein Problem, da sind wir ruckzuck durch ....". O.K. wenn die Kollegen das so sehen, bleibt mir nichts anderes übrig als mich anzuschließen. Tatsächlich scheint es in umgekehrter Richtung etwas besser zu laufen und Richtung Waiblingen dürften es auch ein paar Ampeln weniger sein, meine ich jedenfalls. Herbert  Meneweger ein bekannter  Extrem-Radsportler hat einmal den Spruch geprägt: "Und bewege ich mich - so komme ich weiter!" Genau so ist es. Jeder Tritt, jede Pedalumdrehung bringt mich näher zum Ziel. Nur nicht nachlassen. Die Waiblinger Kollegen helfen mir auf freier Strecke wieder einen ordentlichen Tritt zu finden. Ich bin etwas überrascht, wie schnell wir in Waiblingen sind. 

Ludwigsburg - Waiblingen
Entf.-Kilometer:

16

Ges.-Kilometer:

1.434

35. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 14:45 Uhr

Waiblingen! Die Leiterin der Polizeidirektion überreicht einen Scheck. Wieder der Zwiespalt: Einerseits der Wunsch mich in aller Form zu bedanken und die Fragen die auf mich einstürmen zu beantworten. Andererseits, das Ziel in Stuttgart nun schon nahe vor Augen, der unbändige Wunsch möglichst schnell weiter zu fahren. Ich habe den Überblick verloren, wer mich im Moment alles begleitet. Im Kern ist es das Team der PD Waiblingen, verstärkt von Kollegen anderer Direktionen. Ich freue mich mit dem starken Team noch eine Etappe fahren zu können. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Kilometer kürzer sind. Schon den ganzen Tag mache ich mir Gedanken, was sich  wohl bei der Ankunft in Stuttgart abspielen wird. Habe ich diese Gedanken anfangs noch etwas verdrängt, so gebe ich mich jetzt intensiv diesen Gedanken hin. Auch in Göppingen ein großes Fest und zahllose Besucher, die von uns kaum Notiz nehmen. Ich genieße die Festatmosphäre und den herzlichen Empfang bei der PD Göppingen. Neben zahlreichen Vertretern der Polizei, der Kirche und der Presse, wartet hier Martin Roos, ein Top-Triathlet, der sich in den Dienst der guten Sache stellen und uns bis Stuttgart begleiten wird. 

Waiblingen - Göppingen
Entf.-Kilometer:

37

Ges.-Kilometer:

1.471

36. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 16:15 Uhr

Ein komisches Gefühl macht sich breit: Ich bin froh das Ziel so nahe vor Augen zu haben und wünsche mit gleichzeitig noch möglichst lange so weiterfahren zu können. Es rollt gut bis nach Esslingen. Ich weiß zwischenzeitlich, dass mich dort meine Frau erwarten wird - ein ganz besonderer Ansporn. Ich freue mich auf den Moment des gesunden Wiedersehens. Immer wieder die Gedanken an Stuttgart. Ich möchte  mich auf jeden Fall bei allen bedanken, die zum Gelingen beigetragen haben. Hoffentlich vergesse ich niemanden. Immer wieder gehe ich die "Liste" durch. Endlich die Ankunft in Esslingen. Ich schließe meine Frau in die Arme. Wahnsinn! 

Göppingen - Esslingen
Entf.-Kilometer:

30

Ges.-Kilometer:

1.501

37. Etappe Sonntag, 25.05.2003, 17:20 Uhr

Wir  bekommen  hochkarätige Begleitung. Der Landeskriminaldirektor, Herr Schneider, der Leiter der Polizeidirektion Balingen, Herr Sambeth und Polizeidekan Knubben reihen sich in die Gruppe der Radsportler ein. Lange war nicht so recht klar, welche Strecke wir nach Stuttgart nehmen werden. Irgendwie hat es sich einrichten lassen, dass zwei Kräder für unsere Begleitung bereit stehen. Sie geleiten uns auf direktem Weg nach Bad Cannstatt und weiter über die B 14 Richtung Stadtmitte. Eine Umleitung zwingt uns nochmals aus dem Sattel zu gehen um die letzten Steigungen Richtung Ziel zu meistern. Dann die letzten Meter Richtung Innenministerium. Ich hoffe, dass es nicht allzu feierlich zugehen wird. Man lässt mich vorneweg fahren. 4 Musiker des Polizeimusikkorps spielen "Jo mir san mit'm Radl do" - ich bin überwältigt. Erste Gratulanten. Dankesworte des Landeskriminaldirektors in Vertretung des Landespolizeipräsidenten, des Polizeidekans und des Leiters der Polizeidirektion Balingen. Ein Stehempfang schließt sich an. Ich könnte die Welt umarmen. Ich kann mich, so wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe, bei allen bedanken, die mir auf dem langen Weg von der Idee bis zum Erreichen des Ziels geholfen und begleitet haben. In einem gemütlichen Lokal um die Ecke findet der "POLICE MEN" bei Speis' und Trank ein schönes Ende. Kaum im Auto Richtung Heimat, schlafe ich zufrieden ein.

Esslingen - Stuttgart
Entf.-Kilometer:

12

Ges.-Kilometer:

1.513

Am Freitag, 18.07.2003, konnte der Landespolizeipräsident Erwin Hetger den Vertretern der Polizeiseelsorge, Polizeidekan Werner Knubben und Kirchenrat Matthias Steinmann, im Innenministerium einen Scheck über 10.000 € überreichen. Damit hat der "POLICE MEN 2003" sein wichtigstes Ziel erreicht:

Die Durchführung des Traumaprojektes "Alle in einem Boot" im Jahr 2004 ist finanziell gesichert!

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die in vielfältiger Weise zum Gelingen des Ganzen beigetragen haben!